Pressespiegel

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Neue Osnabrücker Zeitung vom 10.8.2022
https://www.noz.de/lokales/osnabrueck/artikel/streit-um-miete-steht-osnabruecker-substanz-bald-heimatlos-da-42695387

Streit um Mietverlängerung: Steht Osnabrücker „SubstAnZ“ bald heimatlos da?

Im Osnabrücker Szene-Areal zwischen Franken- und Dammstraße soll Neues entstehen. Deshalb muss das selbstverwaltete Zentrum „SubstAnZ“ im Jahr 2024 weichen. Die Ankündigung droht das Verhältnis zwischen Verein und Vermietern zu zerrütten.

„Für uns war das ein Schlag ins Gesicht“, sagt Daniel Katz, Mitglied des Vereins, der hinter dem „SubstAnZ“ steht. Vor rund einem halben Jahr habe der Verein von seinen Vermietern erfahren, dass sie als Eigentümer des Geländes den im September 2024 auslaufenden Mietvertrag nicht verlängern wollen.

Mitte Juli habe man dann in einem Bericht unserer Redaktion von den neuen Plänen des Vermieter-Trios gelesen und sich gewundert, schildert Katz. Die Sichtweise des Vereins: Von den Eigentümern werde vom Revival eines Kulturhof-Konzepts geträumt. Nicht kommerzielle Kultur wie das „SubstAnZ“ passe aber offenbar nicht ins Bild und solle weichen. „Dieser Traum (kann) nur in Erfüllung gehen, wenn bestehende Kultur verdrängt wird“, heißt es in einer Stellungnahme des Vereins auf der Homepage des „SubstAnZ“. Der Text wurde auch auf Facebook veröffentlicht.

Ist der Rückzugsort für alternative Kultur gefährdet?

Der Verein befürchtet, als Rückzugsort für alternative Konzerte, Osnabrücker Jugendkultur und linke politische Organisationen gefährdet zu sein, wenn er den zugleich innenstadtnahen und dennoch geschützten Standort an der Frankenstraße aufgeben müsse. Anderswo gebe es kaum vergleichbare Immobilien zur Miete. Das „SubstAnZ“ ging in Osnabrück aus der Hausbesetzerszene hervor und gilt heute als wichtiger Bestandteil der alternativen Kulturlandschaft in der Stadt.

Sollte es an der Frankenstraße unumstößlich nicht weitergehen, sieht die Idealvorstellung des Vereins kein Mietverhältnis mehr vor. Stattdessen würde man für das „SubstAnZ“ ein Gebäude erwerben, um es „dauerhaft der privaten Spekulation und somit der kapitalistischen Verwertungslogik zu entziehen und als selbstverwalteten Freiraum ohne finanzielle Gewinnabsichten für politisch und kulturell aktive Menschen erreichbar zu machen“. So heißt es in einer Pressemitteilung des Vereins.

Kulturhof statt lose Hofnachbarschaft

Die Zeichen unweit des Güterbahnhofs stehen derweil auf Wandel. Das Gelände zwischen Franken- und Dammstraße gehört seit 2015 der Eigentümergemeinschaft Martin Wüst, Michael Hefti und André Löhr. Seit Zuzug der Kleinen Freiheit beherbergt das Areal unter anderem drei Clubs, die Boulderhalle Zenit, das Burger-Restaurant „Zauber von OS“, das mehrstöckige Gebäude des „SubstAnZ“ und ein Briefverteilungszentrum der Post.

Weil die Post aber in den Hasepark umzieht, steht deren zweistöckiges Gebäude mit mehr als 1000 Quadratmetern Nutzfläche demnächst leer. Den Eigentümern bietet sich die Chance, eine Idee aus der Schublade zu holen, die es vor zehn Jahren für das Gelände schon einmal gab, nämlich aus der losen Hofnachbarschaft besagten gemeinschaftlichen „Kulturhof“ zu formen. Mit mehr Gastronomie, Konzerten und Events, die Gäste an den südlichen Innenstadtrand locken. Das bisherige Briefverteilzentrum könnte zu einer Multifunktionshalle für Konzerte, Hochzeiten, Kabarettaufführungen und andere Veranstaltungen werden, so stellte Miteigentümer Martin Wüst die Idee im Juli vor.

Persönlicher Angriff auf Vermieter

Es gebe noch viele Fragezeichen, sagt Wüst nun im August. Für das Gebäude des „SubstAnZ“ bestehe noch überhaupt kein konkreter Plan. Nicht auszuschließen sei aber, dass es abgerissen werden muss, um Raum für Stellplätze zu schaffen. Gerade deshalb habe er es mit seinen Mitstreitern zusammen fair gefunden, Mitgliedern des „SubstAnz“ frühzeitig zu signalisieren, dass sie sich nach Alternativen umschauen sollten.  
An seiner Person entzündet sich besonders massive Kritik des „SubstAnZ“. In der auf Webseite und Facebook veröffentlichten Stellungnahme wird Wüst, der schon viele Läden im Raum Osnabrück aus der Taufe gehoben hat, auch persönlich angegangen. „Das hat mich enttäuscht und verletzt“, sagt Wüst.

Zudem stimmten Vorwürfe des „SubstAnZ“ auch in der Sache nicht, betont André Löhr als Miteigentümer der Fläche. Der Verein spricht von fast 4000 Euro Miete, die er für die rund 700 Quadratmeter im dem Gebäude an der Frankenstraße zahle. Mit Verweis auf Datenschutz will Löhr zwar keine konkrete Summe nennen, stellt aber klar, dass der tatsächliche Mietpreis deutlich unter dem genannten liege. Als Eigentümer hätten sie zudem mehrfach hohe Summen in das „SubstAnZ“-Gebäude gesteckt: etwa für eine neue Heizung, neue Fenster und die Neugestaltung der Fassade. Der Vorwurf, dass sie ein „heruntergekommenes Gebäude mit oft Wasser im Keller und maroder Bausubstanz“ vermieten würden, wie es das „StubstAnZ“ behauptet, entspreche nicht der Wahrheit.

Von dem scharfen Tonfall des Vereins sei man überrascht gewesen, sagen Wüst und Löhr. Es sei nicht auszuschließen, dass das Verhältnis zu dessen Vorstand darunter leiden werde. In ihrem Sinne sei das nicht. Lieber würden sie wieder Gespräche führen – miteinander statt übereinander.



Osnabrücker Rundschau vom 16.8.2022
https://os-rundschau.de/os-umzu/13-jahre-selbstverwaltung-substanz-in-der-frankenstrasse-bald-geschichte/

Seit 2009 mietet der FrAZ e.V. (Freundeskreis für ein selbstverwaltetes Zentrum, Bildung und Kultur) das Haus in der Frankenstraße 25a in Osnabrück – das SubstAnZ.

Das SubstAnZ steht als unkommerzielles, selbstverwaltetes Zentrum für gute Musik,
emanzipatorische Politik und bietet Freiraum für Bildung und kulturelle Aktivitäten. Jetzt steht die endgültige Beendigung des Mietverhältnises an und das SubstAnz sucht dringend ein neues Gebäude.

Mietenwahnsinn und Pandemie – wo bleibt die Perspektive?

Der bestehende Mietvertrag des Hauses läuft im Jahr 2024 aus. „Die Vermieter haben uns
signalisiert, dass sie den Mietvertrag nicht verlängern werden“, sagt Henrik Breuer (Sprecher des Vorstandes). Bereits zum 31.5.2015 nutzten die damals neuen Eigentümer (WLH GmbH) eine Sonderkündigungsklausel und kündigten den bestehenden Vertrag. Zähneknirschend wurde einem neuen und deutlich teureren Mietvertrag zugestimmt.
Selbst bei einer jetzigen Neuauflage des Mietvertrages wäre eine Mieterhöhung nicht verkraftbar.

Zwar wurde vor der Pandemie immer zuverlässig die Miete gezahlt, aber schon ohne „Corona“ war es zunehmend schwierig, die viel zu hohen Kosten für Miete und Nebenkosten zu decken und die Willkür der Mieterhöhungen hinzunehmen.

Ein neues Haus – Nie wieder Miete!

Seit Jahren schon spielt das SubstAnZ mit der Idee, zukünftig nicht mehr Mieter zu sein. „Wir haben keine Lust mehr auf Mieterhöhungen und die Abhängigkeit von Vermieter:innen.“ stellt Jessica Kellner (ebenfalls Sprecherin des Vorstandes) klar.
Daher besteht die Absicht, ein eigenes Gebäude in Osnabrück zu erwerben, dieses dauerhaft der privaten Spekulation und somit der kapitalistischen Verwertungslogik zu entziehen und als selbstverwalteten Freiraum ohne finanzielle Gewinnabsichten für politisch und kulturell aktive Menschen erreichbar zu machen.

Osnabrück braucht Substanz

Das SubstAnZ ist ein mehrfach preisgekröntes Kulturprojekt. Mit vielfältigen kulturellen Events bietet das Kulturzentrum stets auch unbekannteren und unkommerziellen Künstler:innen und Bands eine Bühne. „Für kleines Geld gibt’s hier viel.“ sagt Emmi, die regelmäßig Vereinsveranstaltungen organisert. So ist das SubstAnZ auch seit einigen Jahren Kukuk-Partner:in, weil es ein Anliegen ist, dass Kultur und Bildung nicht abhängig vom Portemonnaie sein darf.

Im Juli 2022 kündigte Martin Wüst (WLH GmbH) seine Pläne für das Areal, auf dem derzeit das SubstAnZ angesiedelt ist, in einem NOZ-Artikel an. Dabei verkündete Wüst, dass er ein
ausgiebiges Kulturhofkonzept auf dem Gelände verwirklichen wolle; der „auslaufende
Mietvertrag“ mit dem SubstAnZ ermöglicht offenbar, diese Ideen noch besser umzusetzen.
Wieso das SubstAnZ ausziehen muss, um diese Art „Kultur“ zu ermöglichen, darüber kann nur spekuliert werden; naheliegend, dass Kultur oft nur unter kommerziellen Gesichtspunkten einen Raum finden darf.

Viele Akteuer*innen, die sonst keinen „Platz“ in der Stadt haben, konnten und können im
SubstAnZ ihren Raum finden, wie z.B. FridaysForFuture, das Bündnis für bezahlbaren
Wohnraum, das Frauenstreik-Bündnis oder auch SCHLAU Osnabrück(ehrenamtliche
Aufklärungsarbeit über Vielfalt von Lebensweisen, insbesondere von Lesben, Schwulen,
Bisexuellen und Trans*personen). Als freier Träger der Jugendhilfe bietet das SubstAnZ Raum zur Entfaltung und Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen. Seit einigen Jahren können sich daher unter anderem Jugendliche an der hauseigenen Open-Wall im Graffiti ausprobieren, ohne straffällig werden zu müssen.

Daneben fanden und finden im SubstAnZ Vorträge und Lesungen zum Zweck der politischen Bildung statt. Der Verein beteiligt sich aktiv an der Erinnerungskultur und daran, die blinden Flecken gesellschaftlicher Perspektiven aufzudecken.

„Den sich zuspitzenden gesellschaftlichen Krisenentwicklungen stehen wir kritisch gegenüber.“ sagt Sönke Albers, der sich politisch im Substanz engagiert. Das SubstAnZ versucht auch hier einen anderen Blickwinkel einzunehmen und Geflüchtete solidarisch zu unterstützen oder wohnungslosen Menschen, in Kooperation mit dem Solidarischen Aufbau, zumindest zeitweilig ein Dach über dem Kopf zu bieten. Innerhalb der Initiative für bezahlbaren Wohnraum war das SubstAnZ Treffpunkt und Ort der Vernetzung einzelner Akteur:innen.

Kultur braucht Raum

Seit Jahren steht das SubstAnZ für unabhängige unkommerzielle Bildung und Kultur in
Osnabrück. Das soll auch so bleiben! Alternative Zentren und alternative Jugendhilfe brauchen unabhängige Räume, in denen Menschen sich entfalten können. Um dies auch in Zukunft zu gewährleisten, stellt der Verein vier Forderungen an die Gesellschaft:

• Mehr Aufmerksamkeit und Möglichkeiten für nicht-kommerzielle und soziale
Einrichtungen
• Aufforderung an alle Osnabrücker:innen sich mit dem SubstAnZ und ähnlichen Projekten
zu solidarisieren und diese zu unterstützen
• Umdenken bei der Stadt Osnabrück, die sich nach Corona und vor Inflation überlegen
sollte, ob sie sich eine zweite Wüste, nämlich eine kulturelle, leisten möchte
• Ein Ende der Spekulationen! Die Stadt muss in Zukunft von ihrem Vorkaufsrecht
gebrauch machen um Gebäude interessierten Institutionen zur Verfügung zu stellen

Nur eine vielfältig aufgestellte Gemeinschaft kann sich sicher sein, dass sie Lösungen für aktuelle und zukünftiger Probleme entwicklen wird und eine aktive, lebendige Kultur für alle Menschen bereitstellt!



Hasepost vom 10.8.2022
https://www.hasepost.de/nach-13-jahren-bald-kein-substanz-mehr-in-der-frankenstrasse-322065/

Seit 2009 ist das selbstverwaltete Zentrum „SubstAnZ“ an der Frankenstraße 25a in Osnabrück zu finden – unweit des Partyviertels rund um die Dammstraße. Doch jetzt soll der Mietvertrag auslaufen, die neue Miete nicht mehr zahlbar sein. Was passiert dann mit dem Kulturzentrum?

Der bestehende Mietvertrag läuft 2024 aus. „Die Vermieter haben uns signalisiert, dass sie den Mietvertrag nicht verlängern werden“, sagt Henrik Breuer vom „SubstAnZ“. Bereits zum 31. Mai 2015 hätten die damals neuen Eigentümer, die WLH GmbH, eine Sonderkündigungsklausel genutzt, um den bestehenden Vertrag aufzukündigen. Zähneknirschend habe man einem neuen und deutlich teureren Mietvertrag zugestimmt. „Selbst bei einer jetzigen Neuauflage des Mietvertrages wäre eine Mieterhöhung nicht verkraftbar“, heißt es in der Mitteilung. Zwar habe man vor der Pandemie immer zuverlässig die Miete gezahlt, aber schon das sei zunehmend schwieriger geworden.

Seit Jahren schon spiele das selbstverwaltete Zentrum mit der Idee, eigene Räume zu beziehen. „Wir haben keine Lust mehr auf Mieterhöhungen und die Abhängigkeit von Vermieter:innen“, stellt Jessica Kellner vom „SubstAnZ“ klar. Daher bestehe die Absicht, ein eigenes Gebäude in Osnabrück zu erwerben. Damit wolle man „dieses dauerhaft der privaten Spekulation und somit der kapitalistischen Verwertungslogik entziehen und als selbstverwalteten Freiraum ohne finanzielle Gewinnabsichten für politisch und kulturell aktive Menschen erreichbar machen“, so der Wortlaut in der Mitteilung.

Stadt soll von Vorverkaufsrecht Gebrauch machen

Mit kulturellen Events bietet das Kulturzentrum auch unbekannten Künstlerinnen und Künstlern sowie Bands eine Bühne. Seit einigen Jahren ist es zudem Kukuk-Partner, da Kultur und Bildung nicht abhängig vom Portemonnaie sein dürfe. Viele Akteuere, die sonst keinen Platz in der Stadt haben, konnten und können im SubstAnZ ihren Raum finden wie FridaysForFuture, das Bündnis für bezahlbaren Wohnraum, das Frauenstreik-Bündnis oder auch SCHLAU Osnabrück, die ehrenamtliche Aufklärungsarbeit über Vielfalt von Lebensweisen, insbesondere von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transpersonen leistet. Zudem gibt es eine Open-Wall für Jugendliche, um Graffiti zu sprühen oder regelmäßig Vorträge und Lesungen.

„Seit Jahren steht das SubstAnZ für unabhängige unkommerzielle Bildung und Kultur in Osnabrück. Das soll auch so bleiben!“, lautet die Forderung. Alternative Zentren und alternative Jugendhilfe bräuchten unabhängige Räume – deshalb stelle der Verein vier Forderungen an die Gesellschaft: Man wolle mehr Aufmerksamkeit und Möglichkeiten für nicht-kommerzielle und soziale Einrichtungen. Zudem sollten Osnabrückerinnen und Osnabrücker sich mit dem „SubstAnZ“ und ähnlichen Projekten solidarisieren und diese unterstützen. Außerdem fordere man ein Umdenken bei der Stadt und dass sie künftig von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch mache, um Gebäude Institutionen zur Verfügung zu stellen.

Martin Wüst, der derzeitige Vermieter, möchte ein ausgiebiges Kulturhofkonzept auf dem Gelände verwirklichen.