{"id":2556,"date":"2024-09-26T14:42:14","date_gmt":"2024-09-26T12:42:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.substanz-os.de\/?p=2556"},"modified":"2024-10-29T16:06:08","modified_gmt":"2024-10-29T15:06:08","slug":"sommer-sonne-hausbesetzung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.substanz-os.de\/?p=2556","title":{"rendered":"Sommer, Sonne, Hausbesetzung"},"content":{"rendered":"\n<p>Abschlussstatement<\/p>\n\n\n\n<p>15 Jahre lang waren wir in der Frankenstra\u00dfe ans\u00e4ssig. Damals war das Br\u00fccks noch eine Autowerkstatt, die Botschaft war ein Verteilzentrum der Post, das Zenit war die TUGA Chemie GmbH und das gesamte Areal geh\u00f6rte dem <em>Lorac Investment Management<\/em> aus Luxemburg. Das Br\u00fccks ist seit 2017 unser Nachbar gewesen. \u00dcber einige Dinge haben wir uns gemeinsam abgestimmt, damit ein entspanntes Nebeneinander m\u00f6glich ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Als uns die Vermieter Ende 2023 er\u00f6ffneten, dass sie den Mietvertrag nicht verl\u00e4ngern werden, waren wir nat\u00fcrlich traurig und auch sauer. Schlie\u00dflich hatten wir nach mehreren Anl\u00e4ufen eine langfristige Bleibe gefunden und am kulturellen ,Aufwertungsprozess\u2019 des Areals der Dammstra\u00dfe mitgewirkt. 2016 lie\u00df sich der damals neue Eigent\u00fcmer Martin W\u00fcst in der NOZ noch wie folgt zitieren: \u201eEs ist wichtig, dass die Stadt so einen alternativen Treffpunkt hat, nachdem Subkultur ja zwischenzeitlich gezielt vom G\u00fcterbahnhof vertrieben worden ist.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>In diesem Zuge wurde eine Verl\u00e4ngerung des Mietvertrages f\u00fcr das selbstverwaltete Zentrum SubstAnZ als \u201egute Nachricht f\u00fcr die Osnabr\u00fccker Subkulturszene\u201c deklariert. Tats\u00e4chlich ging dieser ,Verl\u00e4ngerung\u2019 jedoch eine K\u00fcndigung voraus, auf welche die ,gute Nachricht\u2019 eines neuen Vertrages inklusive deftiger Mieterh\u00f6hung folgte.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Anfang diesen Sommers kam James Cowie vom Br\u00fccks auf uns zu und teilte uns mit, dass er mit seiner GmbH das Geb\u00e4ude als Nachmieter \u00fcbernehmen w\u00fcrde. Ihm sei an einer friedlichen \u00dcbergabe gelegen. Gleichzeitig bot er uns ,gn\u00e4digst\u2019 an, einen Bereich des Geb\u00e4udes vor\u00fcbergehend f\u00fcr Treffen zu nutzen, falls wir Bedarf h\u00e4tten. Dem Verdr\u00e4ngungsprozess mit eigenen Augen zusehen zu m\u00fcssen, wollten wir aber uns und unseren Nutzer*innen ersparen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ende August 2024 gab es dann das letzte Konzert, den letzten Vortrag, die letzte Party und die letzten Gruppentreffen in der Frankenstra\u00dfe. Viele Besucher*innen der letzten Wochen teilten uns ihr gro\u00dfes Bedauern und ihre Trauer \u00fcber den anstehenden Umzug mit. Mit vereinten Kr\u00e4ften wurde ausgemistet, Kartons gepackt und die ein oder andere Tr\u00e4ne verdr\u00fcckt, oder auch einfach rollen gelassen. Am Montag, den 02.09.2024, kam es zur Schl\u00fcssel\u00fcbergabe. Die Vermieter hatten keinerlei Beanstandungen.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Nacht vom Freitag, den 06.09.2024, auf Samstag wurde das Geb\u00e4ude in der Frankenstra\u00dfe besetzt. Die Besetzung ging nicht vom SubstAnZ oder dem Tr\u00e4gerverein FrAZ e.V. aus, wenngleich wir uns in der Folge als SubstAnZ solidarisch erkl\u00e4rten und am friedlichen Verlauf vermittelnd mitgewirkt haben. \u00dcber den Verlauf der Besetzung gibt es unterschiedliche Versionen und Wertungen. Wir haben uns \u00fcber viele Stunden mit vielen Menschen zusammengesetzt, diskutiert, recherchiert und reflektiert, um zu einer m\u00f6glichst vollst\u00e4ndigen Sicht der Dinge zu gelangen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Mythen \u00fcber Gef\u00e4hrdung, Vandalismus und Bedrohung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nach Bekanntwerden der Besetzung trafen Vertreter*innen des SubstAnZ morgens gegen 06:00 Uhr in der Frankenstra\u00dfe ein. Das Gro\u00dfaufgebot der Polizei war zu diesem Zeitpunkt bereits wieder abgezogen. Zuvor sollen durch die Besetzenden u.a. Leuchtfackeln gez\u00fcndet worden sein. Nach unserem Kenntnisstand kam es zu keiner Situation, durch die Menschen gef\u00e4hrdet worden w\u00e4ren. Im Statement des Br\u00fccks wurde dagegen behauptet: \u201cAu\u00dferdem wurden Feuerwerksk\u00f6rper auf Mitarbeiter*innen auf dem Weg zu ihren Fahrzeugen geschossen, sowie auf eingesetzte Polizeibeamte und weitere unbeteiligte Personen.\u201d Das Br\u00fccks beschreibt ein Szenario, welches so nicht stattgefunden hat. Die Polizei spricht von einem friedlichen Verlauf und l\u00e4sst sich in der NOZ wie folgt zitieren: &#8222;Anders als von Br\u00fccks-Chef Cowie in einem \u00f6ffentlichen Statement behauptet, seien aber keine Feuerwerksk\u00f6rper gegen Polizeibeamte oder Besucher geschossen worden.&#8220; Selbstverst\u00e4ndlich lehnen wir beabsichtigte Verletzungen oder das in Kauf nehmen dieser von Personen durch Feuerwerksk\u00f6rper ab. Dass hier von Seiten des Br\u00fccks offensichtlich gelogen wird, um die Besetzung bewusst in ein falsches Licht zu r\u00fccken, finden wir bemerkenswert.<\/p>\n\n\n\n<p>Unter Vermittlung von Menschen aus dem SubstAnZ wurde am Samstagvormittag eine Einigung zwischen Vertreter*innen der Besetzenden, der Polizei und den Eigent\u00fcmern erzielt. Ab Samstagmittag war die Besetzung geduldet und hatte einen offenen Charakter. Dies erm\u00f6glichte, dass viele Menschen in das Haus hineingehen, sich verabschieden und nochmal eine nette Zeit haben konnten. F\u00fcr den Sonntagmorgen wurde eine \u201eEinladung zum gem\u00fctlichen Mitbringfr\u00fchst\u00fcck\u201c ausgesprochen, die auch wir als SubstAnZ auf unseren Kan\u00e4len geteilt haben. Dieses war sehr gut besucht. Der insgesamt offene Charakter bedeutete aber auch, dass eine Kontrolle, wer wann das Geb\u00e4ude betrat und was die Menschen dort machten, nicht m\u00f6glich war. Wann die Besetzung genau endete, ist uns nicht bekannt. Aus \u00c4u\u00dferungen der Polizei entnehmen wir aber, dass das Haus, wie abgemacht, um 18 Uhr verlassen war.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Nachgang wurde durch das Br\u00fccks und sp\u00e4ter durch die Hasepost und NOZ berichtet, dass es im Zuge der Besetzung zu Vandalismus gekommen sei. Demnach entstand durch verbarrikadierte T\u00fcren ein Schaden von angeblich 30.000-40.000\u20ac. Auch auf Bildern der NOZ sind zerst\u00f6rte T\u00fcren zu sehen. Es stellt sich die Frage, wer diesen Schaden denn \u00fcberhaupt verursacht hat. Bis auf einen Seiteneingang war keine T\u00fcr verbarrikadiert. Die Polizei hat in SWAT-Manier mit einer Ramme zahlreiche T\u00fcren aufgesto\u00dfen. Dabei wird nicht nur die T\u00fcr, sondern auch der Rahmen und ggf. die Wand massiv in Mitleidenschaft gezogen. Zum Eindringen in das Haus hat sich die Polizei au\u00dferdem die teuerste T\u00fcr des Hauses ausgesucht, anstatt z.B. \u00fcber den Hof leichtere T\u00fcren oder ein Fenster zu w\u00e4hlen. Jeder Schl\u00fcsseldienst h\u00e4tte die T\u00fcren in h\u00f6chstens 60 Sekunden ge\u00f6ffnet. Eile bestand zu keinem Zeitpunkt.<\/p>\n\n\n\n<p>Dar\u00fcber hinaus wurden vom Br\u00fccks Graffiti-Schriftz\u00fcge an den W\u00e4nden kritisiert. Allerdings zielte das ver\u00f6ffentlichte Statement vermutlich vor allem darauf ab, von eigenem Fehlverhalten abzulenken, denn der Anlass dieser Schriftz\u00fcge war unserer Meinung nach, dass Menschen ihren Frust \u00fcber die vorgefundene Situation im ehemaligen SubstAnZ Ausdruck verleihen wollten. Die Besetzenden wurden mit mindestens zwei durch Menschen vom Br\u00fccks beschmierten Wandbildern konfrontiert: Aus &#8222;Fight for feminism&#8220; wurde &#8222;Fight for men&#8220;. Aus \u201eHowever I dress, wherever I go, Yes means Yes and No means No\u201d wurde \u201c[&#8230;] No means Yes\u201d gemacht. Hierf\u00fcr hat mittlerweile der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Br\u00fccks, nach eigener Aussage, die ,Verantwortung\u2019 \u00fcbernommen. Das Br\u00fccks verharmlost diese Schmierereien als \u201ekindisch und unlustig\u201c. Das ist eine gef\u00e4hrliche Ausrede. \u201eNo means Yes\u201c stellt hier eine klare Absage dar, im Kontext von romantischen und sexuellen Begegnungen auf Konsens zu achten und ein Nein auch als solches zu akzeptieren. Sexualisierte Gewalt und Grenz\u00fcberschreitungen, wie sie Frauen und queere Personen im Patriarchat tagt\u00e4glich widerfahren, sind aber kein kindischer Witz, sondern bittere Realit\u00e4t. Wenn das der \u201eHumor\u201c von Verantwortlichen des Br\u00fccks ist, wie sollen sich dann Frauen und weiblich gelesene Personen beim Feiern in diesem Club sicher f\u00fchlen?&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Bezeichnend ist auch, dass das Br\u00fccks schreibt, die sexistischen Schmierereien seien \u201enie f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit bestimmt\u201c gewesen. Hinter verschlossener T\u00fcr ist patriarchale Gewalt und die Verharmlosung derer also v\u00f6llig okay? Die Behauptung des Br\u00fccks, \u201ejegliche Gewalt abzulehnen\u201c, scheint jedenfalls patriarchale Gewalt nicht zu beinhalten. Im Gegenteil, der Satz &#8222;No means yes&#8220; kann geradezu als Aufruf zu grenz\u00fcberschreitendem Verhalten verstanden werden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Einige, der durch die NOZ ver\u00f6ffentlichten Graffiti, unterst\u00fctzen wir ausdr\u00fccklich: \u201eVermieter enteignen\u201c, \u201eMietvertr\u00e4ge zum Altpapier\u201c oder auch \u201ecapitalism is trash\u201c spielen auf die ungerechten Eigentumsverh\u00e4ltnisse unserer Gesellschaft an und kritisieren u.a., dass Wohn-, Lebens-, und Kulturraum als Mittel der Profitmaximierung genutzt wird. Dadurch k\u00f6nnen sich viele Menschen, Institutionen, Initiativen und Projekte nicht mehr die Miete leisten und werden verdr\u00e4ngt. Zudem erhalten Eigent\u00fcmer*innen durch die gegenw\u00e4rtigen Eigentumsverh\u00e4ltnisse ein unzul\u00e4ssiges Ma\u00df an Macht. Ein demokratischer Aushandlungsprozess, wie R\u00e4ume genutzt werden sollen, findet nicht statt.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir halten zivilen Ungehorsam und Hausbesetzungen f\u00fcr ein legitimes Mittel, um gesellschaftliche Missst\u00e4nde anzukreiden. Gewalt und Drohungen gegen Personen lehnen wir ab. Offensichtlich besteht jedoch keine reale Gefahr, dass Clubs &#8222;gesprengt\u201c oder gar \u201eVermieter frittiert\u201c werden. Die Historie gesprengter Clubs und frittierter Vermieter in Osnabr\u00fcck ist nach unseren Recherchen \u00fcberschaubar. Auch ging in den vergangenen 15 Jahren keinerlei Gefahr von unserer Seite oder von Nutzer*innen der Frankenstra\u00dfe 25a gegen\u00fcber Nachbar*innen oder Vermietern aus. Dies wissen auch all jene, die sich jetzt angeblich so f\u00fcrchten. Dies k\u00f6nnten auch all jene wissen, die Zeitungsartikel schreiben. Daher verurteilen wird die clickbait-orientierte mediale Skandalisierung, da die herbeiphantasierten Schreckensszenarien jeglicher Realit\u00e4t entbehren.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Dass nun sowohl das Br\u00fccks, als auch die ehemaligen Vermieter Angst vor Gewalt heucheln, scheint uns daher strategischer Natur. W\u00e4hrend sexualisierte Gewalt tagt\u00e4glich in Osnabr\u00fcck geschieht, gibt es keinerlei Anlass anzunehmen, dass das Br\u00fccks oder die Vermieter tats\u00e4chlich von Gewalt bedroht sind. Vielmehr werden die realen Machtverh\u00e4ltnisse verschleiert. Das Banner: \u201eDas ist unser Haus &#8211; Schmei\u00dft doch endlich W\u00fcst und L\u00f6hr und Hefti aus Fledder raus!\u201c wurde in Anlehnung an ein bekanntes Lied der Band &#8218;Ton Steine Scherben&#8216; verfasst und ist allein ein Ausdruck ungleicher Machtverh\u00e4ltnisse. Denn in Wahrheit wurde das SubstAnZ aus Fledder rausgeschmissen. Genauso wurde in den letzten Jahren immer wieder von Seiten der Vermieter gedroht, uns zu k\u00fcndigen, wenn wir nicht spuren. Macht auf der einen, Ohnmacht auf der anderen Seite. Diese Machtverh\u00e4ltnisse sind es, die wir kritisieren und die jeder Person in dieser Gesellschaft \u00fcbel mitspielen, sollte sie auf der verkehrten Seite, auf der Seite der Machtlosen stehen. Diese Verh\u00e4ltnisse wollen wir sprengen \u2013 keine Clubs!<\/p>\n\n\n\n<p>SubstAnZ<br>25. September 2024<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Abschlussstatement 15 Jahre lang waren wir in der Frankenstra\u00dfe ans\u00e4ssig. Damals war das Br\u00fccks noch eine Autowerkstatt, die Botschaft war ein Verteilzentrum der Post, das Zenit war die TUGA Chemie GmbH und das gesamte Areal geh\u00f6rte dem Lorac Investment Management aus Luxemburg. 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