{"id":224,"date":"2016-04-28T14:33:48","date_gmt":"2016-04-28T12:33:48","guid":{"rendered":"http:\/\/2018.substanz-os.de\/?p=224"},"modified":"2022-04-20T20:17:17","modified_gmt":"2022-04-20T18:17:17","slug":"das-substanz-ist-pate-eines-stolpersteines-in-osnabrueck-geworden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.substanz-os.de\/?p=224","title":{"rendered":"Das SubstAnZ ist Pate eines Stolpersteines in Osnabr\u00fcck geworden"},"content":{"rendered":"\n<ul class=\"wp-block-gallery columns-2 is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex\"><li class=\"blocks-gallery-item\"><figure><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/2018.substanz-os.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Stolperstein-1-klein.jpg\" alt=\"\" data-id=\"225\" data-link=\"http:\/\/2018.substanz-os.de\/?attachment_id=225\" class=\"wp-image-225\"\/><\/figure><\/li><li class=\"blocks-gallery-item\"><figure><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"850\" height=\"638\" src=\"http:\/\/2018.substanz-os.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Stolperstein-2-klein.jpg\" alt=\"\" data-id=\"226\" data-link=\"http:\/\/2018.substanz-os.de\/?attachment_id=226\" class=\"wp-image-226\" srcset=\"https:\/\/www.substanz-os.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Stolperstein-2-klein.jpg 850w, https:\/\/www.substanz-os.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Stolperstein-2-klein-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.substanz-os.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Stolperstein-2-klein-768x576.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><\/figure><\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Am Dienstag, den 26. April 2016 wurde, im str\u00f6menden Regen, ein weiterer Stolperstein in Osnabr\u00fcck verlegt. F\u00fcr diesen haben wir die  Patenschaft \u00fcbernommen und m\u00f6chten hier die Biografie von Heinrich  Stille vorstellen.<\/p>\n\n\n\n<p>Heinrich Stille wurde am 2. September 1904 in Osnabr\u00fcck geboren.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Eltern von Heinrich Stille, der Arbeiter Lebrecht Stille aus \nIburg und Marie Beckmann, aus Wimmer heirateten am 1902 in Osnabr\u00fcck. \nDie Stilles wohnten zun\u00e4chst an der Mellerstra\u00dfe 78. Marie Stille \nbrachte eine sechsj\u00e4hrige Tochter mit in die Ehe. Das Paar bekam \nzusammen vier weitere Kinder. Die Zwillinge Else und Margareta, danach \nHeinrich und Friedrich.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Vom Lebensweg Heinrichs verr\u00e4t die Kartei nur Bruchst\u00fcckhaftes. Er \nwar unverheiratet und von Beruf Schlosser. Mit 21 Jahren meldete er sich\n am 9.11.25 nach Nordhorn ab. Vom 20.2.1926 an lebte er wieder in \nOsnabr\u00fcck bei seinen Eltern. Am 16 Februar 1934 zog er nach Merzen und \nkam am 23. April 1934 zur\u00fcck zu seinen Eltern. Danach wohnt er bei \nseinem Bruder Friedrich und dessen Frau Helene vom 7. M\u00e4rz bis zum 18. \nOktober 1938 an der Alten M\u00fcnze 2. Als \u201cunbekannt verzogen\u201d abgemeldet \nist er bereits am 15.12 1938 wieder zur\u00fcck. Im Jahr darauf meldet er \nsich am 3. Juli zur Goldstra\u00dfe 33 ab, wo er bis zum 9. August 1940 lebt.<\/p>\n\n\n\n<p>Als er 1941 mit den Nationalsozialistischen Repressionsstrukturen in \nKonflikt geriet, war er noch immer unverheiratet. Sehr wahrscheinlich \nwar ihm die Zusammenarbeit des Arbeitsamtes mit der Gestapo nicht \nbekannt. Aus der Gestapokartei geht folgendes hervor:<\/p>\n\n\n\n<p>Heinrich \u201cStille wurde am 19.5.1941 festgenommen, weil er die ihm vom\n Arbeitsamt zugewiesene Arbeit bei der Firma Hagedorn in Osnabr\u00fcck, \nnicht aufgenommen hat, sondern sich als Gelegenheitsarbeiter bet\u00e4tigte. \nNach verantwortlicher Vernehmung und ernstlicher Warnung, wurde er am \n26.5.41 wieder entlassen und dem Arbeitsamt zur Verf\u00fcgung gestellt. Ihm \nist die Auflage erteilt worden, sich jeden 2. Tag auf der hiesigen \nDienststelle zu melden.\u201d<\/p>\n\n\n\n<p>Das Heinrich Stille nach dieser Woche Haft nicht die Gefahr erkannte, in der er sich befand, beweist ein weiterer Eintrag:<\/p>\n\n\n\n<p>Heinrich \u201cStille wurde am 10.6.41 erneut festgenommen, weil er die \nihm vom Arbeitsamt zugewiesene Arbeit nicht aufnahm, sondern weiterhin \nGelegenheitsarbeiten ausf\u00fchrte. Die Staatspolizeilichen Auflagen \nbeachtete er nicht. Bis zur Durchf\u00fchrung des gegen ihn eingeleiteten \nStrafverfahrens und nach Strafverb\u00fc\u00dfung, ist gegen ihn Schutzhaft und \n\u00dcberweisung in ein KL. beantragt worden.\u201d<\/p>\n\n\n\n<p>Am 2. September wird er als \u201cSchutzh\u00e4ftling\u201d eingesperrt und dann am \n21. Oktober von Osnabr\u00fcck in das Konzentrations Lager Niederhagen in \nWewelsburg bei Paderborn \u00fcberstellt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Wewelsburg war ein privates Projekt Heinrich Himmlers, der zur \nUmsetzung 1936 einen Verein gegr\u00fcndet hatte, dessen Vorsitzender er war.\n Die Bauarbeiten bestritt er am anfangs mit Arbeitsdienstangeh\u00f6rigen. \nAls diese 1938 zum \u201cWestwall\u201d abgezogen wurden, kamen ab Mai 1939 \nsogenannte Befristete Vorbeugeh\u00e4lftlinge (\u201cBV\u201d H\u00e4ftlinge) aus \nSachsenhausen zum Einsatz. Mit dem \u00dcberfall auf Polen am 1. September, \nwurden diese H\u00e4ftling zur\u00fcckgeschickt und die Arbeit erst nach dem Sieg \n\u00fcber Polen wieder aufgenommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Seit Herbst 1940 wurden vor allem sog. \u201cAsoziale\u201d nach Wewelsburg \nverbracht. Am 7. Januar 1941 wurde das Au\u00dfenkommando ein Au\u00dfenlager des \nKZ Sachsenhausen. Am 1. September 1941 wurde es aus wirtschaftlichen \nGr\u00fcnden von Himmler an den Staat verkauft und zu einem selbstst\u00e4ndigen \nLager gemacht, das die Bezeichnung \u201cKonzentrationslager Niedernhagen\u201d \nerhielt, vermutlich um die Verkn\u00fcpfung von Himmlers Bauprojekt mit dem \nKZ zu verschleiern.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Zuweisung von H\u00e4ftlingen erfolgte nicht nur \u00fcber andere KZ, \nsondern auch \u201cdirekt \u00fcber Gestapostellen, vor allem aus dem Ruhrgebiet, \naber auch aus Paderborn oder Osnabr\u00fcck.\u201d (Benz S.20)<\/p>\n\n\n\n<p>\u201cDas KZ Niedernhagen wurde in der offiziellen Lagereinstufung \u2026 der \nStufe 1 f\u00fcr die &gt;wenig belasteten und unbedingt besserungsf\u00e4higen \nSchutzhafth\u00e4ftlinge, Sonderf\u00e4lle und Einzelhaft&lt; zugeordnet. Die \nrealen Existenzbedingungen entsprachen allerdings in keiner Weise dieser\n Einsch\u00e4tzung.\u201d (S. 21)<\/p>\n\n\n\n<p>Die Ern\u00e4hrung verschlechterte sich 1941 stetig. Der Lagerarzt sprach von 600 \u2013 900 Kalorien am Tag.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201cViele H\u00e4ftlinge starben an den Folgen der schweren Arbeit. Ein \nKommando war mit dem Um- und Ausbau des Nordturms der Wewelsburg \nbesch\u00e4ftigt. Bei den Ausschachtarbeiten in der &gt;Gruft&lt; mu\u00dften die \nH\u00e4ftlinge den Felsboden mit nur unzureichenden Hilfsmitteln um mehr als 4\n m ausheben. Die Arbeiten in der st\u00e4ndigen K\u00e4lte und Feuchtigkeit des \nKellergew\u00f6lbes bedeuteten schwerste, k\u00f6rperliche Anstrengung. Dennoch \ngalten die Arbeitskommandos am Nordturm als relativ sichere \nArbeitspl\u00e4tze unter den H\u00e4ftlingen, bei denen sie vor den Misshandlungen\n der SS weitgehend gesch\u00fctzt waren. Anders dagegen die Arbeiten in den \ndrei Steinbr\u00fcchen (an der Burg, am Bahnhof und im mehrere Kilometer \nentfernt gelegenen Dorf Ahden), beim Stra\u00dfenbau, beim Umbau des Hofes \nMarx sowie dem Bau der SS- &gt;Waldsiedlung&lt;: von diesen Kommandos \nwurden fast t\u00e4glich Tote zur\u00fcck in das Lager gebracht.\u201d (S. 22)<\/p>\n\n\n\n<p>\u201c\u2026 &gt;Waldsiedlung&lt; war ein bei den H\u00e4ftlingen gef\u00fcrchtetes \nStrafkommando. Sie erlitten hier besondere Misshandlungen der SS und der\n Kapos, meist &gt;asoziale&lt; oder BV-H\u00e4ftlinge. Die H\u00e4ftlinge mussten \nschwere Felsbrocken im Laufschritt einen steilen Hang hinauf und wieder \nhinabtragen und wurden dabei h\u00e4ufig geschlagen.\u201d (S. 23)<\/p>\n\n\n\n<p>Nach der Umwandlung in ein Hauptlager stieg von August bis Ende 1941 die Zahl der Toten rapide an.<\/p>\n\n\n\n<p>In dieser Zeit wurde Heinrich Stille durch Osnabr\u00fccker \nGestaposchergen in das KZ Niedernhagen eingeliefert. In der \nGestapokartei wird sein Tod am 12. Dezember 1941 mit der \nOrtsbezeichnung: \u201cim KL.- in Wewelsburg verstorben.\u201d dokumentiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Heinrich Stille wurde in knapp 2 Monaten zu Tode geschunden, er wurde nur 37 Jahre alt.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201cRund 3900 Menschen wurden in Wewelsburg inhaftiert und zur Arbeit \ngezwungen. \u2026 Ganz im Sinne der Devise &gt;Vernichtung durch Arbeit&lt; \nstarben im KZ Niedernhagen mindestens 1285 Menschen.\u201d (Pfeiffer*)<\/p>\n\n\n\n<p>Wie andere Opfergruppen einer Wertigkeitsideologie, die der b\u00fcrgerlichen Vorstellungswelt entstammte und vom Nationalsozialismus auf die Spitze getrieben wurde, wurde die Stigmatisierung sogenannter \u201cAsozialer\u201d im Entsch\u00e4digungsgesetz nach 1945 fortgeschrieben. Sie waren von jeder Entsch\u00e4digung ausgeschlossen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Dienstag, den 26. 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