{"id":1911,"date":"2023-11-23T15:04:25","date_gmt":"2023-11-23T14:04:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.substanz-os.de\/?p=1911"},"modified":"2024-02-23T11:39:06","modified_gmt":"2024-02-23T10:39:06","slug":"naechstes-jahr-geht-das-licht-aus-ein-offener-brief","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.substanz-os.de\/?p=1911","title":{"rendered":"N\u00e4chstes Jahr geht das Licht aus. Ein offener Brief"},"content":{"rendered":"\n<p>(<a href=\"http:\/\/www.substanz-os.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/Substanz-offener-Brief-11-23.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">als pdf herunterladen<\/a>)<br><br>Das SubstAnZ ist ein selbstverwaltetes Zentrum in Osnabr\u00fcck. Alles, wirklich alles, wird ehrenamtlich organisiert und umgesetzt. Entscheidungen werden auf den w\u00f6chentlichen Plena im Konsens getroffen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Wunsch und die Forderung nach selbstverwalteten R\u00e4umen in Osnabr\u00fcck bestehen seit vielen Jahrzehnten. Hervorgegangen aus unz\u00e4hligen Hausbesetzungen wurde 2007 ein gemeinn\u00fctziger Verein gegr\u00fcndet mit dem Ziel, selbstverwaltete R\u00e4ume zu schaffen. Inzwischen unterst\u00fctzen \u00fcber 300 Mitglieder dieses Anliegen. Seit 2009 mieten wir ein 700qm gro\u00dfes Objekt an der Frankenstra\u00dfe 25a unweit des ehemaligen G\u00fcterbahnhofes. Wir erlangten die Anerkennung als freier Tr\u00e4ger der Kinder- und Jugendhilfe und sind seit unseren Anf\u00e4ngen ein fester Bestandteil der Kultur- und Bildungslandschaft der Stadt Osnabr\u00fcck. In den 14 Jahren fanden weit \u00fcber 700 Auftritte und Konzerte von K\u00fcnstler:innen aus der ganzen Welt, unz\u00e4hlige Partys, Ausstellungen, Vortr\u00e4ge, Workshops und Gruppentreffen statt.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir gewannen dreimal den Bundesmusikpreis &#8218;Applaus&#8216; f\u00fcr unser &#8218;herausragendes kulturelles Engagement&#8216;. Zuletzt vor zwei Monaten, wo wir zus\u00e4tzlich den Sonderpreis f\u00fcr unsere Awarenessarbeit erhalten haben. Ein Alleinstellungsmerkmal. Wir sind die treibende Kraft hinter der Gedenkinitiative Peter Hamel, die im vergangenen Jahr ein Mahnmal f\u00fcr Peter und Zivilcourage und gegen Homophobie im Raiffeisenpark errichten lie\u00df. Wir sind Pate des Stolpersteins f\u00fcr Heinrich Stille und wir sind Herausgeber der Schicksalsbiographie von Gustav Cord-Landwehr, exemplarisch f\u00fcr tausende Opfer des Nationalsozialismus aus Osnabr\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>F\u00fcr unser Engagement erhalten wir viel Zuspruch. Wir h\u00f6ren von Studierenden, dass sie sich f\u00fcr den Studienstandort Osnabr\u00fcck entscheiden, weil diese Stadt einen solchen Freiraum hat. Wir erfahren Solidarit\u00e4t, wenn die AfD Osnabr\u00fcck fordert, uns aus dem Stadtbild &#8222;zu tilgen&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p>Neben unserem kulturellen Engagement sind wir ein fester und streitbarer Bestandteil der sozialen und politischen Landschaft dieser Stadt geworden. Bei uns k\u00f6nnen sich Jugendliche und junge Erwachsene weitestgehend frei entfalten. Frei von gesellschaftlichen Erwartungen oder Zw\u00e4ngen, frei von Diskriminierung und frei von Vorurteilen. Bei uns finden Menschen einen Raum, die sich zu alt f\u00fcr st\u00e4dtische Jugendzentren und zu jung f\u00fcr viele andere Angebote der Stadt f\u00fchlen. Getr\u00e4nke- und Eintrittspreise, sofern sie denn \u00fcberhaupt erforderlich sind, decken bei uns ausnahmslos den Selbstkostenpreis der Veranstaltung und den Erhalt unseres Projektes. Das durch den Applauspreis gewonnene Geld nutzen wir unter anderem daf\u00fcr, den Eintrittspreis bei Konzerten und Partys bei f\u00fcnf Euro zu belassen, um so weiterhin niedrigschwellige Teilhabe zu erm\u00f6glichen. Gleichzeitig ist weit \u00fcber 90% unseres Angebotes kostenfrei. Es besteht keine Konsumpflicht oder eine Pflichtmitgliedschaft in unserem Tr\u00e4gerverein.<\/p>\n\n\n\n<p>Uns war es immer wichtig, auch finanziell unabh\u00e4ngig zu sein. Dies gelang uns bis zum letzten Jahr ohne Unterbrechung und gr\u00f6\u00dfere Schwierigkeiten. Durch die Folgen der Coronapandemie, die Folgen der Inflation, der Energiepreisentwicklung und durch den Auszug einer Untermietergemeinschaft ist unser Finanzierungsmodell ins Wanken geraten. Zudem f\u00fchrten wir einen notwendigen Rechtsstreit, dessen Inhalt der fehlende Umgang mit T\u00e4tern sexualisierter Gewalt innerhalb der Osnabr\u00fccker Kulturszene war.<br>Erstmals haben wir in diesem Jahr \u00fcbergangsweise Unterst\u00fctzung durch die Stadt Osnabr\u00fcck beantragt. Ein Schritt, der uns wahrlich nicht leichtgefallen ist und dem viele kontroverse Diskussionen vorangegangen sind. Seit sieben Monaten erhalten wir einen monatlichen Betriebskostenzuschuss i. H. v. 1600\u20ac. Dieser Zuschuss kann unsere monatlichen finanziellen Einbu\u00dfen nur bedingt auffangen. Wie alle f\u00fcrchten auch wir uns vor der noch offenen Nebenkostenforderung des laufenden Jahres. Inzwischen m\u00fcssen wir uns rechtfertigen, weshalb wir diese Unterst\u00fctzung trotz des Applauspreises \u00fcberhaupt noch ben\u00f6tigen. Uns ist nicht bekannt, dass bei anderen Institutionen, die f\u00fcr ihr Engagement ausgezeichnet werden, eine F\u00f6rderung infrage gestellt wird. Dies w\u00e4re regelrecht eine Bestrafung f\u00fcr ausgezeichnetes zivilgesellschaftliches und kulturelles Engagement. Im \u00dcbrigen sind Preisgelder steuerpflichtig, was unsere uneingeschr\u00e4nkte Freude ein wenig mindert, und Geld zur\u00fcck in die Staatskasse sp\u00fclt.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor einigen Monaten erfuhren wir durch die Zeitung, dass unser Mietvertrag nicht verl\u00e4ngert wird. Inzwischen liegt uns diese Entscheidung der Vermieter schriftlich vor. Im September 2024 geht an der Frankenstra\u00dfe f\u00fcr immer das Licht aus &#8211; zumindest f\u00fcr uns, denn auch was an unserem Ort geplant ist, erfuhren wir \u00fcber die Zeitung. Eine Neuansiedlung von Kultur. Tragisch ist dabei, dass hier ein seit Jahren etabliertes, kulturelles und unkommerzielles Projekt verdr\u00e4ngt wird, um Raum f\u00fcr Kommerz und Konsum zu schaffen. Eine Entwicklung, die nicht nur Osnabr\u00fcck betrifft, sind es doch \u00fcberall solche Projekte wie unseres, die um ihre Existenz f\u00fcrchten und k\u00e4mpfen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sollte es uns nicht m\u00f6glich sein, eine neue und geeignete Immobile f\u00fcr unser Projekt zu finden, bricht f\u00fcr viele von uns und den vielen hunderten Besucher:innen und Nutzer:innen eine Welt zusammen. Der Stadt wird ein Raum fehlen, der immer Seite an Seite mit den Menschen stand, die sich anderswo nicht aufgehoben oder wohlgef\u00fchlt haben oder schlechte Erfahrungen machen mussten. Ein Raum, in dem das Aussehen oder die F\u00fclle des Geldbeutels nie eine Rolle gespielt hat. Ein Raum, in dem basisdemokratische Prozesse gef\u00fchrt und erlernt werden. Ein Raum, in dem Menschen sich frei und ungezwungen entfalten und bewegen k\u00f6nnen. Ein freier Raum &#8211; ein Freiraum.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Ort f\u00fcr zivilgesellschaftliches Handeln und Ort einer Gegenkultur w\u00e4ren verschwunden. Den \u00fcber 20 Gruppen des Hauses w\u00fcrde ein Ort fehlen, um sich unkompliziert zu treffen und zu organisieren. Eine Open-Wall w\u00fcrde fehlen, an der sich Grafitti-K\u00fcnstler:innen austesten. Die Stadt h\u00e4tte eine weitere B\u00fchne weniger, auf der sich Bands ausprobieren und auftreten k\u00f6nnen. Auch w\u00fcrden lokale Getr\u00e4nkezuliefer:innen einen umsatzstarken Kunden verlieren.<\/p>\n\n\n\n<p>In der heutigen Zeit geht es immer h\u00e4ufiger um die Rechte der St\u00e4rkeren und Lauteren, rechte Parolen sind salonf\u00e4hig geworden und das &#8218;Wir und die Anderen&#8216; f\u00fchrt zu noch mehr Ausgrenzung, als es zuvor schon der Fall war. Extrem rechte Parteien k\u00f6nnen (erneut) in Teilen st\u00e4rkste Kraft werden und antisemitisches Denken sowie Handeln l\u00e4sst bei vielen jeden Verstand verlieren &#8211; gerade in dieser Zeit ist es wichtiger denn je, politische Orte wie das SubstAnZ zu haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Wunsch und die Notwendigkeit nach selbstverwalteten R\u00e4umen ist seit Jahrzehnten ungebrochen und w\u00fcrde auch nach dem Verlust unseres Hauses weiter Bestand haben. Der offensichtliche Bedarf wird durch die t\u00e4gliche Nutzung unseres Hauses deutlich. R\u00e4ume w\u00fcrden sich erneut genommen. Die Forderung nach selbstverwalteten R\u00e4umen w\u00e4re lauter, als wir das in diesem offenen Brief vermitteln k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wir bitten alle darum, uns bei unserer Suche nach einer geeigneten Immobilie zu helfen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wir bitten Eigent\u00fcmer:innen leerstehender oder freiwerdender Immobilen, sich zu melden und sich unser Finanzierungs- und Nutzungskonzept anzuh\u00f6ren. Das trifft insbesondere auch auf Immobilien zu, die zum Verkauf stehen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wir fordern die Stadt Osnabr\u00fcck, insbesondere den Rat und Entscheidungstr\u00e4ger:innen auf, uns bei der Suche zu unterst\u00fctzen und s\u00e4mtliche Liegenschaften der Stadt einer Tauglichkeit f\u00fcr unser Projekt zu \u00fcberpr\u00fcfen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wir rufen die Ratsmitglieder auf, sich f\u00fcr uns einzusetzen und bspw. ihren Einfluss auf das Land wahrzunehmen und dieses ebenfalls nach geeigneten Immobilien suchen l\u00e4sst.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wir rufen alle auf, unsere Suche zu teilen und zusammen mit uns f\u00fcr eine gerechtere Welt zu k\u00e4mpfen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr ein gutes Leben f\u00fcr alle.<br><br>Euer SubstAnZ <br>November 2023<\/p>\n\n\n\n<p>&#8212;<br>kontakt@substanz-os.de<br>ag-zukunft@substanz-os.de (Zur Immobiliensuche)<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(als pdf herunterladen) Das SubstAnZ ist ein selbstverwaltetes Zentrum in Osnabr\u00fcck. Alles, wirklich alles, wird ehrenamtlich organisiert und umgesetzt. Entscheidungen werden auf den w\u00f6chentlichen Plena im Konsens getroffen. Der Wunsch und die Forderung nach selbstverwalteten R\u00e4umen in Osnabr\u00fcck bestehen seit vielen Jahrzehnten. Hervorgegangen aus unz\u00e4hligen Hausbesetzungen wurde 2007 ein gemeinn\u00fctziger Verein gegr\u00fcndet mit dem Ziel, &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/www.substanz-os.de\/?p=1911\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eN\u00e4chstes Jahr geht das Licht aus. Ein offener Brief\u201c<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[379],"tags":[377,227,93,366],"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.substanz-os.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1911"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.substanz-os.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.substanz-os.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.substanz-os.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.substanz-os.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1911"}],"version-history":[{"count":11,"href":"https:\/\/www.substanz-os.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1911\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1929,"href":"https:\/\/www.substanz-os.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1911\/revisions\/1929"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.substanz-os.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1911"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.substanz-os.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1911"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.substanz-os.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1911"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}