{"id":1271,"date":"2022-07-26T15:51:19","date_gmt":"2022-07-26T13:51:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.substanz-os.de\/?p=1271"},"modified":"2022-07-26T16:14:35","modified_gmt":"2022-07-26T14:14:35","slug":"alles-neu-nur-ohne-uns","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.substanz-os.de\/?p=1271","title":{"rendered":"Alles neu &#8211; nur ohne uns!"},"content":{"rendered":"\n<p>Die Neue Osnabr\u00fccker Zeitung ver\u00f6ffentlichte am 19. Juli ein Interview mit Martin W\u00fcst, einem unserer Vermieter (1). Mit diesem Interview bricht W\u00fcst die Vereinbarung, dass es vor Pressever\u00f6ffentlichungen jeglicher Art,&nbsp; die uns gegenseitig betreffen, vorherige Absprachen gibt. Dieses Interview und damit die Entwicklung der &#8222;Kulturlandschaft&#8220; Osnabr\u00fccks und unserer Zukunft, k\u00f6nnen wir nicht unkommentiert lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zur Vorgeschichte<br>Martin W\u00fcst, der sich oft selbst als Retter der (Osnabr\u00fccker) Kultur versteht, ist einer der drei Beteiligten der WLH (W\u00fcst, Loehr, Hefti) Gesellschaft, die 2015 f\u00fcr mehrere Millionen \u20ac das gesamte Areal zwischen Dammstra\u00dfe und Frankenstra\u00dfe gekauft hat. Mit dem Kauf nutzten sie eine Sonderk\u00fcndigungsklausel unseres Mietvertrages von 2009 und k\u00fcndigten unseren Vertrag. Hiermit ging gleichzeitig die Botschaft an uns, dass wir gerne bleiben k\u00f6nnten, wenn wir monatlich 700\u20ac mehr Miete zahlen w\u00fcrden. Z\u00e4hneknirschend gingen wir auf das Angebot ein und unsere monatliche Miete erh\u00f6hte sich auf fast 4.000\u20ac. Viel Geld f\u00fcr ein heruntergekommenes Geb\u00e4ude mit oft Wasser im Keller und maroder Bausubstanz. Diese hohe Miete konnten wir, mit pandemiebedingten Pausen und inzwischen beglichenen R\u00fcckst\u00e4nden, \u00fcber 12 Jahre ohne Unterbrechung zahlen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach dem neuen Vertragsabschluss verk\u00fcndete W\u00fcst in der NOZ: <em>&#8222;Gute Nachricht f\u00fcr die Osnabr\u00fccker Subkulturszene: Der Mietvertrag des alternativen, selbstverwalteten \u201eSubstAnZ\u201c- Zentrums an der Frankenstra\u00dfe ist Ende vergangenen Jahres um f\u00fcnf Jahre verl\u00e4ngert worden.&#8220;<\/em> (2) Von der Pistole auf der Brust und der folgenden Mieterh\u00f6hung war da nat\u00fcrlich keine Rede. Auch im aktuellen Interview (NOZ-Artikel) schildert W\u00fcst nur die halbe Wahrheit. Dort hei\u00dft es: <em>&#8222;2024 l\u00e4uft au\u00dferdem der Mietvertrag f\u00fcr das aktuell vom selbstverwalteten Zentrum \u201eSubstAnZ\u201c genutzte, mehrgeschossige Geb\u00e4ude an der Frankenstra\u00dfe neben dem Br\u00fccks aus. \u201eAuch hier gibt es schon Ideen\u201c, macht W\u00fcst deutlich.&#8220;<\/em> Zu der Wahrheit geh\u00f6rt aber auch, dass unser Mietvertrag nur ausl\u00e4uft, weil er nicht verl\u00e4ngert wird. F\u00fcr uns ist es aus mehreren Gr\u00fcnden eine realistische Option, weiter im Geb\u00e4ude verbleiben zu wollen: erstens mangels Alternativen und zweitens, weil wir uns dort 12 Jahre lang etabliert haben und ein fester Bestandteil der regionalen und \u00fcberregionalen Kulturszene geworden sind. Das SubstAnZ wurde bereits zweimal mit dem &#8222;Deutschen Spielst\u00e4tten Preis&#8220; ausgezeichnet,&nbsp; als besonderer und herausragender Ort mit mehr als 50 Konzerten im Jahr.<br>Neben der kulturellen Bereicherung der Stadt ist das SubstAnZ ein fester Ort f\u00fcr politisches und gesellschaftliches Engagement. Nirgendwo sonst in der Stadt k\u00f6nnen sich politische Gruppen so frei treffen und entwickeln wie bei uns. Selbst in den st\u00e4dtischen Jugendzentren wird eine Miete verlangt und die Treffen sind an die \u00d6ffnungszeiten gebunden. Auch aus der Osnabr\u00fccker Jugendkultur ist das SubstAnZ nicht mehr wegzudenken. Regelm\u00e4\u00dfig finden bei uns um Rahmen der Jugendkulturtage Veranstaltungen, wie Selbstbehauptungskurse, Graffiti- oder Siebdruckworkshops statt. Auf unserem Hof gibt es einige der wenigen Open-Walls in Osnabr\u00fcck, also ein Ort,&nbsp; an dem sich Graffitik\u00fcnstler*innen legal ausprobieren k\u00f6nnen. Das SubstAnZ ist oft der Ort, an dem sich junge Menschen treffen, die sich in keinem Angebot der Jugendkultur wiederfinden k\u00f6nnen. Durch das vielf\u00e4ltige und professionelle Engagement unserer Nutzer*innen praktizieren wir ehrenamtliche Streetwork und elementare Sozialarbeit dieser Stadt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Viel hat W\u00fcst in seinem Leben als Gastronom schon versucht und ist oft gescheitert. Jeder Mensch der Osnabr\u00fccker Kultur- und Gastroszene kennt seine Geschichte.&nbsp;Doch zumindest das Vermietersein funktioniert. Daf\u00fcr muss man nicht viel k\u00f6nnen, au\u00dfer das notwendige Kapital zu haben und da hat der mit seinen Mitgesellschaftern die Richtigen gefunden.&nbsp;<br>Wenn W\u00fcst jetzt von seinem &#8222;Revival des Kulturhof-Konzepts&#8220; tr\u00e4umt, dann bedeutet das auch, dass dieser Traum nur in Erf\u00fcllung gehen kann, wenn bestehende Kultur verdr\u00e4ngt wird. Kultur z\u00e4hlt in den Augen mancher Menschen, so wie unserer Vermieter, eben nur, wenn sie kommerziell ausgenutzt werden kann. Kundschaft, die nicht zahlungskr\u00e4ftig ist oder an anderen Orten keinen sicheren Raum findet, um Freizeit- und Kulturangebote wahrzunehmen, wird vergessen und aus dem \u00f6ffentlichen Raum verdr\u00e4ngt.&nbsp;Wie gering Orte wie das SubstAnZ gesch\u00e4tzt werden, sieht man eben nicht nur an den Fakten, dass uns die R\u00e4umlichkeiten genommen werden, f\u00fcr die wir schon horrende Summen an Miete zahlen, sondern auch an der Art, wie mit uns kommuniziert wird.<br>Auf der anderen Seite des Bahndamms wird in den n\u00e4chsten Jahren ein neuer Stadtteil entstehen, das sogenannte Lok-Viertel auf dem ehemaligen G\u00fcterbahnhof. Doch hier wurden, nicht \u00fcberraschend, die Weichen von einigen wenigen Kapitaleigner*innen gestellt, bevor die Menschen sich einbringen konnten, die diese Stadt wirklich ausmachen. Hierbei hat auch die Stadt es vers\u00e4umt, (unkommerzielle) Kultur und R\u00e4ume, an denen \u00f6ffentliches Leben abseits von Konsum stattfindet, zu sch\u00fctzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir werden weiter daf\u00fcr k\u00e4mpfen, dass es \u00fcberall Freir\u00e4ume gibt. Osnabr\u00fcck braucht SubstAnZ!<br><br>Wir freuen uns immer solidarische Menschen, Mitgestalter*innen des SubstAnZ, Unterst\u00fctzung jeglicher Art &#8211; auch auf der Suche nach einem neuen Zuhause.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>(1) NOZ 19.7.22: <a href=\"https:\/\/www.noz.de\/lokales\/osnabrueck\/artikel\/multifunktionshalle-fuer-bis-zu-2000-gaeste-in-osnabrueck-denkbar-42555659\">https:\/\/www.noz.de\/lokales\/osnabrueck\/artikel\/multifunktionshalle-fuer-bis-zu-2000-gaeste-in-osnabrueck-denkbar-42555659<\/a><br>(2) NOZ: 21.1.2016:<a href=\"https:\/\/www.noz.de\/lokales\/osnabrueck\/artikel\/neuer-vertrag-fuer-das-substanz-perspektiven-fuer-alternative-clubszene-in-osnabrueck-23437831\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"> https:\/\/www.noz.de\/lokales\/osnabrueck\/artikel\/neuer-vertrag-fuer-das-substanz-perspektiven-fuer-alternative-clubszene-in-osnabrueck-23437831<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Neue Osnabr\u00fccker Zeitung ver\u00f6ffentlichte am 19. 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