Stellungnahme zum NOZ Artikel vom 21.1.2016

Es ist wichtig, dass die Stadt so einen alternativen Treffpunkt hat…“

Stellungnahme zum Interview mit Martin Wüst vom 21.01.2016

Am 21.01.2016 erschien der Artikel „Neuer Vertrag für das ‘SubstAnZ’- Perspektiven für alternative Clubszene in Osnabrück“ in der Neuen Osnabrücker Zeitung (online abrufbar unter http://www.noz.de/lokales/osnabrueck/artikel/660638/perspektiven-fur-alternative-clubszene-in-osnabruck). Inhalt war ein Gespräch mit Martin Wüst, der sich über die Entwicklungen des „Kulturhofes Dammstraße“ äußerte.Als einer der neuen Eigentümer der Immobilie an der Frankenstraße, die er gemeinsam mit seinen Geschäftspartnern André Löhr und Michael Hefti im Frühjahr 2013 erworben hatte, sprach er unter anderem von einer Verdrängung der subkulturellen Szene Osnabrücks und betonte die Wichtigkeit von „Alternativen Treffpunkten“. In diesem Zuge wurde eine vermeintliche Verlängerung des Mietvertrages, für das selbstverwaltetem Zentrum SubstAnZ, als „gute Nachricht für die Osnabrücker Subkulturszene“ deklariert. Tatsächlich ging dieser ,Verlängerung’ jedoch eine Kündigung voraus, auf die die ,gute Nachricht’ eines neuen Vertrages inklusive deftiger Mieterhöhung folgte.

Das SubstAnZ wird durch den gemeinnützigen Trägerverein FrAZ e.V. selbstverwaltet; Selbstverwaltung bedeutet an dieser Stelle, dass das Haus über ein offenes Plenum organisiert wird. Jeden Mittwoch treffen sich Menschen, um den Betrieb zu planen und zu gestalten. Die dabei anfallende Arbeit, wie z.B. das Organisieren der Aktivitäten und die Verwaltung des Hauses, wird ausschließlich über ehrenamtliches Engagement realisiert. Im Grundsatz versteht sich das SubstAnZ als Freiraum, in dem Rassismus, Antisemitismus, Sexismus, Homophobie und andere Diskriminierungsformen nicht geduldet werden.

Das SubstAnZ Osnabrück existiert seit 2008 und befindet sich seit September 2009 in der Frankenstraße 25a. Es ist ein Raum, der von vielen Menschen und Gruppen vor allem als Ort für Bildungsveranstaltungen, aber auch Kneipen und Partys genutzt wird, ohne dabei kommerzielle Interessen zu verfolgen. So sind die Getränkepreise im SubstAnZ sehr niedrig und der Eintritt übersteigt nie 5 € – nicht nur aus rechtlichen, sondern gerade aus ideellen Beweggründen. Mit Menschen, die auch diesen niedrigen Eintrittspreis nicht aufbringen können, haben wir bisher immer eine Lösung gefunden.

Um diese Standards halten zu können, ist das SubstAnZ insbesondere auf die zahlenden Mitglieder im FrAZ e.V. angewiesen, um alle laufenden Kosten, vor allem die steigenden Mietkosten, bezahlen zu können.

Bis zum Objektkauf des Gebäudekomplexes an der Franken- und Dammstraße, durch die Wüst, Löhr und Hefti Immobilienbesitz GbR, war der Vermieter des SubstAnZ die Firma Lorac Investment Management. Die damalige Kaltmiete betrug bereits 2172 €. Nach dem Kauf des Gebäudekomplexes kündigten uns die neuen Vermieter zum 31.05.2015 durch Ausnutzung einer Sonderkündigungsklausel.

Nach einer Öffentlichkeitskampagne zum Erhalt des SubstAnZ, erhielt der FrAZ e.V. seitens der WLH GbR die Möglichkeit einer schmerzhaften Vertragsverlängerung, durch eine Mieterhöhung auf 2700 € monatlich. Ab September 2016 soll nun die Miete erneut um 200 € erhöht werden.

Aus diesen Gründen wird es für uns immer schwieriger, unsere oben genannten Standards zu halten und nicht Gefahr zu laufen, alle Arbeit auf die Erbringung der Miete auszurichten.

„Es ist wichtig, dass die Stadt so einen alternativen Treffpunkt hat, nachdem Subkultur ja zwischenzeitlich gezielt vom Güterbahnhof vertrieben worden ist.“ (Martin Wüst in der NOZ)

Wir im SubstAnZ können und wollen nicht kommerziell arbeiten, aber der unverhältnismäßige Mietpreis erzeugt enormen Druck. Der Erhalt „alternativer Subkultur“, wie im Artikel seitens Wüsts gefordert, ist so keineswegs sichergestellt.

Wir sind verwundert über das Vorgehen der Hauseigentümer und besonders Wüsts, der, trotz seiner Stellungsnahme gegen Verdrängung von Subkultur in Osnabrück, die Miete des SubstAnZ innerhalb eines Jahres um 700 € monatlich, also über 30%, erhöht. Zudem sind wir irritiert, dass die Mieter*innen und Organisator*innen dieses alternativen Zentrums in dem NOZ-Artikel nicht zu Wort kommen, sondern einzig der Vermieter über das Haus spricht, ohne eine über das Mietverhältnis hinausgehende Beteiligung am SubstAnZ zu haben.

Das SubstAnZ Plenum
Osnabrück, den 4. Februar 2016

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