Subversiv-perverse Aktion

Die Freiheit der Sexualität ist eine Lüge!

Wir erleben, dass einander bedingende und sich durchdringende Strukturen wie Patriarchat, Heteronormativität und Kapitalismus das alltägliche Leben bestimmend prägen, und uns in der Verwirklichung einer selbstbestimmten Sexualität behindern.

Die Intimsphäre der Sexualität und Geschlechtlichkeit und deren tätige Gestaltung ist kein Privatproblem, da sie im Gesellschaftlichen geprägt, das heißt hergestellt wird; das Individuum konzeptiert sie im gesellschaftlichen Raum, vermittelt durch das soziale Umfeld. Die gesellschaftliche Norm ist es, die unsere Sexualität, Geschlechtlichkeit und Liebe klassifziert und bewertet. Verweigern wir uns dieser Norm, werden wir in der sozialen Interaktion in aller Regel sanktioniert.

Sollte die bürgerliche Emanzipation sexueller Normabweichler_innen überhaupt in politischen Kategorien gedacht werden, oder ist sie möglicherweise nur eine Frage des Lifestyles auf dem freien Markt? Dies führt wiederum zu der Frage, inwieweit die bürgerliche Emanzipation dieser Abweichler_innen an die Entfaltung marktwirtschaftlicher Kräfte geknüpft ist.

Nach dem Empfnden der subversiv-perversen Aktion hat sich das Image von Schwulen als besseren Konsumenten – als Partypeople – etabliert und damit homosexuelle Lebensweise in der postmodernen Spektakelgesellschaft konsensfähig gemacht. Dabei kommt das spezifsch Schwule nicht mehr zur Sprache. Dieser Sprachverlust ist Ausdruck einer einseitigen Assimilation.

Schwule sind gewissermaßen nur noch eine Klasse an sich, aber keine Klasse für sich mehr. Doch sollte man sich fragen, ob die Schwulen- und Lesbenbewegung mehr ist, als eine Bürgerrechtsbewegung mit Assimilationswunsch, deren Vertreter_innen bereit sind „für den Erwerb bestimmter Vorrechte sich und ihr Klientel dem heterosexuell geprägten Wertekanon zu unterwerfen und dabei neue Formen von Diskriminierung, vor allem soziale Kontrolle und politische Disziplinierung, billigend in Kauf zu nehmen“. So verebbte die alte politische Schwulenbewegung in einer Bürgerrechtsbewegung, die zum Preis der Anpassung um ihren Teil des Kuchens ringt.

Damit lassen wir uns nicht abspeisen. Unsere Abnormalität wird uns zur Motivation die Norm in Frage zu stellen; für diese Frage steht die Vokabel „queer“ „schräg“. Gerade dieses dekonstruktive Potential sollte stets als ein Instrument zum Angrif auf die heteronormative Gesellschaft eingesetzt werden, genauso wie gegen die Normierungszwänge unter Lesben und Schwulen selbst. Damit ist „queer“ zuletzt auch eine Rückbesinnung auf die Anfänge der Schwulen-, Lesben- und Transgenderbewegung vor 40 Jahren. Hier wollten sich sexuelle Normabweichler_innen emanzipieren, sich also aus der Hand (lat. manus) der Mehrheitsgesellschaft nehmen. Heute wird Emanzipation von vielen nur noch als Integration gedacht.

Die Nischen bestehender schwuler, lesbischer und bisexueller Subkultur befrieden uns nicht. Wir fühlen uns nicht beheimatet in einer Kultur, deren Akteure sich im Rausch der scheinbaren Gleichberechtigung ins Private zurückziehen und auf deren Parties Sexismus, Lookism und Altersdiskriminierung vorherrschen.

Die subversiv-perverse Aktion möchte diese gesellschaftlichen Realitäten verändern; wir setzen damit an, einen Raum zu schaffen, in dem Menschen sich auf einander beziehen können, für die (ihre) Sexualität und (ihre) Geschlechtlichkeit nicht nur einfach natürlich ist, sondern auch ein zu gestaltendes soziales Verhältnis darstellt, das es bewusst zu reflektieren, radikal zu kritisieren und selbstbestimmt zu verändern gilt. Dieser Text ist nur ein Anfang – mit den Menschen, die sich in die subversiv-perverse Aktion einmischen wächst nicht nur unser Potential, sondern hoffentlich auch unser Selbstverständnis und unser Aktionsraum.

Mit unseren regelmäßigen Kneipenabenden und auf unseren Parties wollen wir Orte schaffen, in denen wir ein anderes Leben leben, das heißt ein anderes Selbstbild und einen anderen Umgang ausbilden können.

Freiraum für abnorme Vielfalt!
Für ein ganz anderes Ganzes!

 

Kontakt: subversivperverseaktion@googlemail.com