Café Résistance Weihnachtsfeier

Am Dienstag den 19.12 um 19:00 Uhr ist es wieder so weit. Das Café Résistance lädt zur Weihnachtsfeier (wahlweise auch Jahresendzeitfeier). Es gibt Glühwein, Kakao, Gebäck und weitere Leckerein und Getränke.
Außerdem wird es wieder mal ein Kneipenquiz geben. Die Regeln sind einfach: Ihr schließt euch zu drei- bis fünfköpfigen Teams zusammen, bekommt von uns Fragen gestellt, zu allen möglichen Themen und welches Team die meisten Fragen richtig beantwortet hat, hat gewonnen und bekommt etwas Schönes. Natürlich geht es bei den Fragen nicht bloß um Szenequatsch ;)

Neben dem ganzen Tam Tam wird es auch ein Café Klatsch geben. Das Café Klatsch ist ein offenes Antifa-Plenum im Café Résistance an dem jeder und jede teilnehmen und sich einbringen kann.

05.12.17: Vortrag: 1917 – Anfang und Ende des Kommunismus? feat. Daniel Kulla

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Kommunismus als Schlagwort der allgemeinen Emanzipation – durch Überwindung der Klassengesellschaft und die Herstellung eines gleichen Zugangs zum gesellschaftlichen Reichtum – datiert schon zurück ins 19. Jahrhundert. Die Kommunistischen Parteien hingegen formierten sich unter diesem Namen erst nach dem revolutionären Geschehen in Rußland im Jahr 1917 – und zwar als Vertreter einer ganz bestimmten Interpretation und ganz bestimmter Konsequenzen aus den Ereignissen dieses Jahres. Der Vergleich der verschiedenen Geschichtsschreibungen hilft zu entscheiden, inwieweit sich das Projekt der Überwindung von Kapitalismus und Herrschaft heute auf historische Positionierungen, äußere Erscheinung und konkrete Politikformen der Kommunistischen Parteien beziehen läßt. Ist die Distanzierung von der Vergangenheit bequem oder konsequent? Gibt es eine Entscheidung zwischen Kommunismus als Ziel und kommunistischer Bewegung?

Vor 100 Jahren brachen in weiten Teilen der Welt Revolutionen aus, die die herrschaftliche Ordnung zutiefst erschütterten. Wie in seinem Vortrag “LUTHER AUF DAS MAUL schauen” zeigt Daniel Kulla, wie in der Rückschau hinter einer Jahreszahl und einem großen Namen ein weitreichendes Aufstandsgeschehen verschwunden ist. Übrig blieb die Siegergeschichtsschreibung der verschiedenen Strategien, diese Aufstände und Aneignungsbewegungen zu zerschlagen, zu vereinnahmen oder sich zumindest an ihre Spitze zu setzen. Von den landesweiten Enteigungen und den überall sich bildenden Räten in Rußland blieb das historische Datum der Machtübernahme der Leninschen Fraktion der Sozialdemokratie (vom März 1919 in Deutschland blieben die sozialdemokratischen und kommunistischen Vereinnahmungsgeschichten und die faschistische Propaganda). Von den erbitterten Auseinandersetzungen über den richtigen Weg zum Kommunismus und die Führung der Bewegung blieben die bis heute untereinander aufs Messer verfeindeten reformistischen, stalinistischen, maoistischen, trotzkistischen, anarchistischen und rätekommunistischen Traditionen.

Wie läßt sich die revolutionäre Geschichte, die in all diesen Erzählungen wie abseits von ihnen zu finden ist, in diesem oder in den kommenden Jahren auf den Tisch bringen? Historical reenactment der Kämpfe, Streiks und Besetzungen an jedem Ort, wo sich das organisieren läßt? Oder doch erst die Schaffung von Zusammenschlüssen, die mehr Interesse an dieser Geschichte wecken?

Danie Kulla ist deutscher Schriftsteller und Journalist. Er war kurz Chefredakteur der sächsischen Jugendzeitschrift SPIESSER und veröffentlicht u. a. Bücher über Rausch und Verschwörungsideologien. Außerdem schreibt er für die Zeitschrift Konkret.
https://www.classless.org/

Eine Veranstaltung der Libertären Kommunist*innen Osnabrück {LIKOS}. In Kooperation mit der Hochschulinitiative Infoladen.
Die Veranstaltung findet statt im Rahmen des Café Résistance – offener antifaschistischer Treff Osnabrück.
Die Veranstaltung findet im Rahmen unserer Vortragsreihe:
“Zurück in die Zukunft. Zur Geschichte der radikalen Linken” statt

Veranstaltungsort:
SubstAnz Osnabrück
Frankenstr. 25a
49082 Osnabrück
Der Veranstaltungsort hat einen barrierearmen Zugang, sowie eine barrierearme Toilette. Der Raum ist rauchfrei

Zurück in die Zukunft. Veranstaltungsreihe zur Geschichte der radikalen Linken.

Zurück in die Zukunft. Veranstaltungsreihe zur Geschichte der radikalen Linken organisiert von den Libertären Kommunist*innen Osnabrück {LIKOS}. Im Rahmen der Reihe wird es zwei Vorträge und einen Film geben. Alle Veranstaltungen finden im SubstAnZ statt.

Vortrag: Die sozialrevolutionäre Klassenlinke

Dienstag 28.11 – 19:00 Uhr (Ankündigungstext)

Vortrag: Oktoberrevolution 1917 – Anfang und Ende des Kommunismus? feat. Daniel Kulla

Dienstag 05.12 – 19:00 Uhr (Ankündigungstext)

Film: Wir brauchen keine Erlaubnis. Die Arbeitskämpfe bei FIAT

Montag 18.12 – 19:00 Uhr (Ankündigungstext)

26.11.: Letztes veganes Mitbringtreffen in diesem Jahr

Sei dabei beim veganen Mitbringtreffen im SubstAnZ Osnabrück!

Das Konzept: Jede*r bringt etwas Veganes für das Buffet mit und kann dann von allen Speisen essen. Leckere Getränke können dort sehr güngstig erworben werden :)

Wir haben zwar die Möglichkeit, Essen warm zu machen, aber es hat sich bewährt, das Essen schon zu Hause vorzubereiten. Besteck und Geschirr sind ebenfalls da, sowie ein Geschirrspüler.

Da das SubstAnZ ein selbstverwaltetes Zentrum ist, müssen wir keine Raummiete zahlen. Es wird aber eine Spendendose aufgestellt, falls ihr den Laden dennoch unterstützen möchtet.

Neulinge brauchen gar keine Bedenken haben, in irgendeiner festeingefahrenen Gruppe zu landen. Wir sind alle supernett ;) Und bei jedem Treffen sind meist andere “Neulinge” dabei. Alle werden aber immer herzlich aufgenommen.

Das SubstAnZ befindet sich in der Frankenstraße 25a, sehr nah am Bahnhof. Also auch An- und Abreise sollten kein Problem darstellen, wenn ihr von weiter her kommt.

Das SubstAnZ ist aber nicht nur irgend ein Raum, sondern ein politischer Freiraum. Wir haben hier keinen Bock auf Sexismus, Homophobie, Rassismus, Antisemitismus oder anderes diskriminierendes Verhalten. Kommt vorbei und lasst uns eine schöne Zeit haben!

Beginn: 18 Uhr.

Solidaritätserklärung des ZAZ

Ergänzend zu unserer Stellungnahme zu den Kriminalisierungsversuchen linker Zentren, erfolgt eine Stellungnahme des Zusammenschlusses autonomer Zentren (ZAZ), in dem wir seit vielen Jahren mit anderen Zentren und Projekten vernetzt und befreundet sind.

Unsere Solidarität gegen ihre Kriminalisierungsversuche Zusammenschluss autonomer Zentren zu Angriffen gegen linke Strukturen

Nicht erst seit den Protesten gegen den G20-Gipfel 2017 in Hamburg üben sich reaktionäre und konservative oder einfach wahlkämpfende Kräfte der (Kommunal)Politik darin, linke, emanzipatorische Freiräume und Zentren mit „Extremismus“-Vorwürfen anzugreifen und „Horte linker Gewalt“ herbei zu phantasieren.

Der Zusammenschluss autonomer Zentren erklärt sich solidarisch mit der Roten Flora in  Hamburg, dem KTS in Freiburg, dem Café Exzess und Klapperfeld in Frankfurt und all  jenen emanzipatorischen/linken Zentren und Strukturen, die Räume für politische, kulturelle und soziale Alternativen zu den herrschenden Verhältnissen organisieren. Außerdem verurteilen wir die politische Motivation der Repressionsorgane, die sich unter anderem in den überzogenen ersten G20-Urteilen und den absurden 14  Hausdurchsuchungen des 27.09.2017 zeigt. Weiterlesen

23.09.:Demo: Die Rechte Welle brechen. Stimme abgeben? Stimme erheben!

Das Bündnis EPOS (Emanzipatorische Politik Osnabrück) ruft für den 23.09. zu einer Demo auf, die wir sehr unterstützenswert finden:

In Charlottsville zeigte sich am 12. August erneut, wozu rechte Ideologie führt. Ein Teilnehmer einer rechten Demonstration raste mit seinem Auto in Gegendemonstrant*innen und tötete die 32-jährige Heather Heyer und verletzte 19 weitere Menschen. Es genügt ein Blick in Teile Deutschlands, um festzustellen das latente Menschenfeindlichkeit zunehmend öffentlich vorgetragen und in gewalttätige Praxis umgemünzt wird. Völkisch-rassistische Bewegungen wie zum Beispiel Pegida fanden breites Gehör in der Gesellschaft. Immer wieder gibt es Anschläge auf Flüchtlingsunterkünfte, immer wieder Angriffe auf Linke. Der Rechtsruck schreitet seit Jahren in Europa, den USA und anderen Teilen der Welt voran. In Deutschland maßgeblich befeuert durch die AfD. Als organisatorisches Rückgrat der Reaktion erzielt sie immer wieder Wahlerfolge, und dies möglicherweise auch wieder zur Bundestagswahl. Sie steht für ein rassistisches, sexistisches sowie nationalistisches Weltbild. Mit autoritären Krisenlösungen stellt sie eine ganz konkrete Gefahr für viele Menschen dar. Sie brutalisiert diese Verhältnisse immer weiter. Für uns ist klar: Diese Partei muss bekämpft werden.

Der Rechtsruck ist jedoch nicht mit Wahlen zu stoppen und insbesondere nicht mit Annäherung gegenüber Rechten, stellt er sich doch nicht nur in der AfD dar. Diese ist lediglich die reaktionäre Zuspitzung dieser Verhältnisse. Alle Parteien rücken nach rechts. In allen Parteien gibt es rassistische Positionen. Horst Seehofer fordert, die Sozialsysteme bis zur letzten Patrone zu verteidigen, Boris Palmer spricht sich für eine Obergrenze von Geflüchteten aus und Sarah Wagenknecht redet von einem Gastrecht für Geflüchtete. Verwundern tut das nicht. Über die CDU, die SPD, den Grünen bis zu der Partei die Linke stimmten und stimmen alle in den nationalistischen Kanon ein. Von völkischem Nationalismus über Standortnationalismus bis hin zur angeblichen Notwendigkeit des Massengrabs im Mittelmeer. Alle Parteien haben sich dem Programm verschrieben, Deutschland möglichst weit nach vorne zu bringen und in der Staatenkonkurrenz einen Vorteil zu verschaffen. Nur im Wie unterscheiden sie sich.

Dabei hat dieses Unterfangen einen extrem menschenfeindlichen Zweck. Hier zu Lande werden die Menschen in immer miesere und prekärere Jobs gedrückt, dürfen sich mit Hartz 4 rumschlagen und zusätzlich müssen manche noch ganz nebenbei den Haushalt schmeißen und Kinder versorgen. In anderen, nicht zuletzt auch von Deutschland, verwüsteten Landstrichen verhungern die Menschen oder ertrinken im Mittelmeer. Durch niedrige Löhne, Hartz 4, unbezahlter Hausarbeit und Druck an der Uni und in der Schule ist Deutschland Krisengewinner. Alles was es von Staats wegen gibt, musste erkämpft werden oder dient dem Zweck, dass die Leute weiterhin arbeiten können, damit die Wirtschaft weiter läuft. Nur deswegen gibt es die Sozialausgaben.

Wir wollen uns nicht mit diesen Verhältnissen zufrieden geben. Wenn wir eine andere Welt ohne Konkurrenz, Leistungsterror, Armut und Patriarchat wollen und Ideologien wie Nationalismus, Rassismus und Sexismus überwinden wollen, müssen wir das schon selber in die Hand nehmen. Zur Wahl steht das nicht. Sowohl gegen den Rechtsruck als auch gegen seine Grundlage, diese Verhältnisse, müssen wir uns organisieren und solidarisch mit allen sein, denen dieses System das Leben zur Hölle macht. Fangen wir jetzt damit an.

Kommt zur Demonstration am 23.09.!

Den Rechtsruck stoppen, Kapitalismus abschaffen! Für die befreite Gesellschaft!

05.09.: Wie wähle ich als Linke*r? Diskussionsveranstaltung

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Die Bundestagswahlen stehen vor der Tür. Innerhalb der Linken gibt es immer wieder kontroverse Diskussionen und Zerwürfnisse zu dem Thema „Wähle ich als Linke*r“? und falls ja, wie und natürlich wen? Gibt man damit sein grundsätzliches Einverständnis mit diesen Verhältnissen zu Protokoll oder kann dadurch die Gesellschaft verändert werden?
Wir wollen dieses Thema einmal im Rahmen einer Diskussionsrunde behandeln. Es wird einen kurzen Input geben um sich anschließend mit den Thema auseinanderzusetzen. Vorwissen ist nicht nötig.

Die Organisator*innen sind von den Libertären Kommunist*innen Osnabrück {LIKOS}.

G20 – Gipfel der Repression


G20 – Gipfel der Repression

Die sogenannten Sicherheitsbehörden hatten bereits im Vorfeld des G20 Gipfels in Hamburg eine diffamierende Kampagne gegen die Kritiker_innen und mögliche Gegenproteste gefahren. „Potentielle Täter_innen“ sollten im Rahmen einer mehr als nur fragwürdigen präventiven Repressionswelle eingeschüchtert, eine breite Mobilisierung unterbunden werden.
Gefahrengebiete wurden konstruiert und gefährlich war es auch – für viele Demonstrierende in Hamburg. Eine erstaunlich brutale und skrupellose Zerschlagung der „Welcome to Hell“ Demonstration durch die Polizei und eine dreiste (Fehl)informationspolitik, wie sie spätestens seit dem G8 Gipfel in Rostock bekannt ist, zeigen: Die Eskalation war gewollt. Dies belegen auch das Vorgehen der Einsatzkräfte im Umgang mit den geplanten Protestcamps und die zahlreichen polizeilichen Übergriffe auf Journalisten oder auch gänzlich unbeteiligte Personen, die nun durch unverhältnismäßig harte Urteile gegen Verdächtige nachträglich legitimiert werden sollen. Verdächtige, da die vorhandene Beweislage bei genauer Betrachtung mehr als dürftig ist – für den stets bemühten „Rechtsstaat“.

Dass eine der Konsequenzen sein wird, dass die Gewalttäter die wir gefasst haben […] mit sehr hohen Strafen rechnen müssen.“ – O-Ton Olaf Scholz, Erster Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg.

Ganz im Sinne des Provokateurs Olaf Scholz, der sich und seine hochgerüsteten Cops zu Helden erklärte und der versucht, das eigene Scheitern durch haltlose und pauschale Angriffe gegen die berechtigten Proteste zu kaschieren.

So müssen die bisher verhängten Urteile als das bezeichnet werden, was sie sind: politisch motivierte Schützenhilfe für die tatsächlich Verantwortlichen – die Initiator_innen des G20 Gipfel.

Wir lassen uns unsere Protestformen weder diktieren, noch kaputtschlagen!
Wir lassen uns nicht spalten!
Solidarity with all Prisoners!

22.08.: #NoG20 aus der GraswurzelPerspektive – Filmmaterial

Der G20Gipfel in Hamburg ist offiziell vorbei. Den meisten Menschen sind Bilder erschreckender polizeistaatlicher Gewalt im Gedächtnis geblieben, viele kämpfen noch immer um Aufklärung der dort systematisch und willkürlich verübten staatlichen Verbrechen bzw. mit der Verarbeitung des Erlebten und den
Konsequenzen repressiver Maßnahmen.
Die meisten, großen Bericht erstattenden Medien haben im Wesentlichen nur Gewalt und ein paar Bilder aus dem Innern der Paläste der Herrschenden geliefert – zur Befriedigung von Sensationsgelüsten sowie zur Abschreckung und Verblödung der Allgemeinheit.
Doch die Proteste gegen den G20 waren und sind so viel mehr!

bunt • laut • kreativ • kraftvoll • vielfältig • solidarisch

graswurzel.tv hat als unabhängig von herkömmlichen medialen Strukturen arbeitendes, alternatives JournalismusKollektiv die Proteste gegen den G20 und auch schon die Aktionen im Vorfeld des Gipfels mit Kameras begleitet. Dabei ist eine Reihe von Bildmaterial entstanden, das uns für zukünftige Kämpfe Mut und Kraft geben kann und soll.

Diese Filmchen (mit einer Gesamtlänge von ca. 100 Minuten) möchten wir gemeinsam anschauen und dem Gedankenaustausch im Anschluss freien Lauf lassen.

Einlass: 19 Uhr
Fimbeginn: ca. 19:30 Uhr

 

18.08.: Vortrag “Wählen ist verkehrt!” – von Freerk Huisken

Vortrag und Diskussion mit Freerk Huisken

Beginn: 19 Uhr

“Auch im Superwahljahr 2017 gilt:
Wählen ist verkehrt!

Gemeinhin steht das höchste demokratische Recht beim Volkssouverän nicht im allerbesten Ruf. Es ist sehr die Frage, ob die Bürger die Wahl überhaupt vermissen würden, wenn sie für den September nicht angesetzt worden wäre. Weisheiten der Art, dass das Wählen ja eh nichts ändert und dass ‚die da oben sowieso machen, was sie wollen’, sind Gemeingut weit über kritische Zirkel hinaus.
Je näher der Wahltermin rückt, desto leiser werden freilich bei vielen diese abschätzigen Stellungnahmen. Desto mehr setzt sich der Standpunkt durch, dass man auf den – wenn auch sehr kleinen – Einfluss, den man mit einer Wahlstimme auf die Staatsmacht ausübt, nicht verzichten darf.

Der knappe Ausgang des Brexit-Referendums und der Wahl von Donald Trump sowie der im europäischen Superwahljahr drohende Aufstieg von nationalistischen, EU-feindlichen Parteien in allen Mitgliedsländern sollen dafür so etwas wie ein überzeugendes Argument liefern: Hätten mehr junge Briten, die eher pro-Europa sind, und mehr linke Amerikaner von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht, wäre nicht Trump heute US-Präsident, sondern Hillary Clinton, und der Brexit stände heute nicht auf der Tagesordnung der EU. So wird da gedacht. Wie im Rest der EU sehen es auch viele Deutsche in der Septemberwahl als ihr Interesse und ihre Aufgabe an, den Rechtspopulisten und Nationalisten, den Ausländer- und EU-Feinden besonders von der AfD den Weg zur Macht zu versperren.
Mag es Zweifel geben, ob eine Wahlbeteiligung positiv eine Änderung der Politik im Sinn des Wählers bewirkt, negativ als Instrument zur Verhinderung der Machtergreifung der Falschen, soll sie schon ertwas taugen.
Allerdings stellt sich die Frage, wofür so ein Wähler eigentlich Partei ergreift, wenn er mit der Absicht, die AfD zu stoppen, sein Wahlkreuz setzt. Wie taucht das eigene Wahlmotiv im Wahlakt, im Wahlresultat und später in der Politik der gewählten Partei auf? Verhält es sich nicht so, dass man sich auf diese Weise, also per Beteiligung an der demokratischen Wahl gar nicht anders vor der Herrschaft der rechten Nationalisten schützen kann, als dass man der Machtergreifung einer anderen, zum „kleineren Übel“ erklärten Partei und deren politischer Herrschaft über sich zustimmt?”